Kunstschule Bodenseekreis in „Bella Venezia“

Studenten des Vorstudiums Gestaltung auf Biennale-Besuch

Venedig – „die Stadt, halb Märchen, halb Fremdenfalle“ (TH. Mann). Jedes Jahr im Sommer besuchen um die dreißig Studenten und Dozenten der Kunstschule Bodenseekreis die hektische Allerdurchlauchteste, die angesichts stetig zunehmender Touristenströme fast kollabierende Serenissima. So scheint es zumindest dann, wenn die Studenten des Vorstudiums Gestaltung nach neunstündiger Zugfahrt Venedigs Bahnhof Santa Lucia verlassen, um an überfüllten Wasserbusstationen ein Drei-Tages-Ticket für das hier obligatorische Schifffahrtsvergnügen zu ergattern. Spätestens nachdem alle Stockbetten in der Jugendherberge bezogen sind, wandelt sich dieses Bild. Man trifft sich zu einem Sit-In vor der Jugendherberge und kann sein Glück kaum fassen: Es ist still geworden auf der Giudecca, der direkt der Salute-Kirche gegenüberliegenden Insel. Und der Blick ist überwältigend: der breite Giudecca-Canal in seinem glitzernden Türkis-Blau (das heißt natürlich nicht, dass er sauber ist!) reicht bis zu den Fußspitzen und lenkt die ermüdeten Augen zum in leichten Dunst gehüllten Markusplatz. Nur wenige schaffen es, sich schon am ersten Abend von diesem berauschenden Blick zu lösen, um die  nächtliche Piazza San Marco mit ihren Orchesterklängen der berühmten Cafés kennenzulernen. Noch gibt es genügend Eroberungszeit.

In den kommenden Tagen findet für die Studenten des Vorstudiums Gestaltung der schönste Unterricht ihres zweisemestrigen Studiengangs statt. Mit Skizzenbuch und Kamera bewaffnet erobern sie in diesem Jahr die Biennale. Unter dem Motto „Illuminationi“, kuratiert von Bice Curiger, sind in diesem Jahr 89 Länderpavillons mit Kunst bestückt. Ein Highlight in den „Giardini“, dem Ausstellungsgelände der einzelnen Länder, ist für die Studenten das Requiem für Christoph Schlingensief im deutschen Pavillon. Nach der nüchternen „Frankfurter Küche“ der letzten Biennale nun ein sakrales Ambiente in gedämpftem Licht mit Kirchenbänken, Altar, ausgestopftem Hasen, Filmen, Bach- und Wagnerklängen. Der eigentliche Schlingensief provoziert jedoch auch weiterhin durch seine im Nebentrakt des Pavillons gezeigten Filme. Kaum jemand verlässt den Pavillon ohne seine Sensibilität am „deutschen Kettensägenmassaker“ getestet zu haben.

Eine erfreuliche Überraschung erwartet die Studenten in den nur mit dem Shuttle-Boot erreichbaren Hallen hinter dem Arsenale-Gelände. Italiens Kunstakademien präsentieren hier die Arbeiten ihrer Studenten. Die jungen Leute sind in ihrer bevorzugten Szenerie angekommen. Man verbringt den ganzen Nachmittag hier, selbst abendliche Strandbesuche werden freiwillig gestrichen.

In den letzten Tagen lernen die Studenten die Stadt Venedig mit ihren Bezirken recht genau kennen. 37 Außenstenstellen der Biennale locken zu einer anspruchsvollen künstlerischen Schnitzeljagd. Manchmal lohnt sich stundenlanges Suchen, manchmal ist man nur enttäuscht.

Aber in einem Punkt sind sich alle Studenten und Dozenten des Vorstudiums Gestaltung einig: „Bella Venezia“ und die Biennale sind allemal eine Kunst-Exkursion wert.